Zum Tod von Wolfgang Pfleiderer

 

Wolfgang Pfleiderer ist am 6. April 1919 in unserer Landeshauptstadt geboren und im dortigen Westen aufgewachsen. Sein Vater hatte mit seiner Frau Alice außer dem Sohn noch eine Tochter, Lieselotte. Nach dem Abschluss der Schule besuchte Wolfgang Pfleiderer das Volksschul-Lehrerbildungsseminar in Heilbronn und Nagold. Danach brachte er zielstrebig Reichsarbeitsdienst und Wehrdienst hinter sich, um das Abitur machen zu können, stattdessen aber musste er in den Krieg. Aber er hatte - wie noch so manches Mal - Glück, und konnte aufgrund einer Erkrankung nach Hause und dort 1941 das Not-Abitur machen. Nach einem Intermezzo an der Ostfront in Russland bekam er ein Studiensemester in Tübingen genehmigt, nach einem zweiten noch kürzeren Russlandeinsatz konnte er im krankheitsbedingten Heimaturlaub seine spätere Frau Gertrud Maier kennen lernen, sich verlieben und verloben, während die meisten seiner Kameraden im Stalingrader Kessel ihr Leben lassen mussten.

Sein nächster Einsatz in Afrika endete gar nach 4 Wochen mit der amerikanischen Kriegsgefangenschaft, die ihn nach Colorado führte. Dort ist es ihm nach vielfachem eigenen Bezeugen klaglos gut gegangen.

1946 kam er zurück und konnte Gertrud Maier in Stuttgart vor den Traualtar führen.

Er wurde Lehrer auf dem Cannstatter Hallschlag, dann in Esslingen und Reichenbach. Dort wurde sein Sohn Eberhard und seine Tochter Margrit geboren. 1951 wurde er Lehrer an der Mittelschule in Schorndorf, wo er 11 Jahre wirkte und Pfleiderers mit ihrem zweiten Sohn Albrecht ein weiteres Mal Nachwuchs bekamen, und schließlich kam er im Februar 1962 an die EHM – „Mittelschule“ nach Grunbach, wo er im Dez. zum Rektor ernannt wurde.

In den ersten Jahren war er dort mindestens ebenso engagiert als Bauherr wie Lehrer tätig. Die Gebäude dort auf dem Schlarthhügel in Grunbach-Süd trugen ihm den Namen „Graf vom Schlarth“ ein. Nebenher baute er in dieser Zeit auch sein eigenes Haus in den Wolfäckern. Er war aber sicher genauso, nein, mehr noch mit Leib und Seele Lehrer seiner Schüler und Schülerinnen, die zu ihm ein fast noch innigeres Verhältnis pflegten. Das führte dann sogar dazu, dass er sich in einem der ersten Schullandheime darauf einließ, von einer Klasse mit „Papi“ angeredet zu werden.

In seiner Freizeit interessierte er sich für Musik, auch wenn er lieber zuhörte als aktiv wurde. Sein Klavier wurde aufgrund von Zeitmangel zum Dekorationsmöbel umfunktioniert, seine Geige hatte er in seiner Jugend schon nach dem ersten Übungssemester wieder verkauft. Ja, und Briefmarken hat er sein ganzes Leben gesammelt. Auch nach dem Ausstieg aus dem aktiven Dienst war er viel im öffentlichen Leben präsent. Gern widmete er sich seiner Familie, insbesondere auch seinen 5 Enkeln, und dem Garten rund ums Haus. Und mit seiner Frau Gertrud hatte er jeden Abend um ½ 10 eine Verabredung. Da trafen sie sich im Wohnzimmer zu einem Glas Wein, guter Musik und einem Patience-Spiel. War sie nicht pünktlich, griff er zum Telefon, um sie zu erinnern. Immerhin 58 Jahre lang hat ihre Ehe gewährt.

Ja, und so war er immer wieder öffentlich präsent bis in seine letzten Tage, war noch bei einem Konzert in Stuttgart und bei der Picasso-Ausstellung.

Er kam wegen starker Herzprobleme ins Krankenhaus, Gertrud Pfleiderer war informiert, dass es schlecht aussieht, und auch er wusste es dann und ließ es geschehen. Seine Frau hat Wache gehalten und mit ihm auch noch in seinen letzten Stunden reden können, bis er dann am 9. Dezember 2004 im Alter von 85 Jahren entschlafen ist.

Wolfgang Pfleiderer war der „Vater des PILOT“ an der EHR, bis zuletzt war er einer seiner treuesten Leser. Wir werden den PILOT in seinem Sinne weiterführen und Wolfgang Pfleiderer nie vergessen.